Achimer Kreisblatt, 04.10.2004

Corinna May: Eine imposante Stimme
Blinde Sängerin begeisterte in der Rathausscheune zusammen mit der Big Band Grambke / Nur 150 Zuschauer

Es sollte ein echtes Konzert-Highlight in Thedinghausen werden. Und das wurde es auch. Enttäuschend war allerdings die Zuschauerresonanz. Corinna May, eine der bekanntesten deutschsprachigen Stars und die Big Band Grambke entzündeten jedenfalls ein musikalisches Feuerwerk in der Thedinghauser Rathausscheune.

Der Abend unter dem Motto "Swing, Jazz and more" ließ keine Wünsche offen. Was die Künstlerinnen und Künstler und vor allem Corinna May auf die Bühne zauberten, war schon absolute Spitzenklasse.
Apropos Corinna May: Zweifler wurden eines besseren belehrt. Ihre Stimme ist weit mehr als das, was man aus Ralph Siegels Ohrwurm kennt. Ein Konzertbesucher brachte es auf den Punkt: Schublade falsch beschriftet. Bei Corinna May, 1970 in Bremen geboren und von Geburt an blind, konnte man die Leidenschaft zu singen spüren.
Back to the rrots. Jazz und Swing zu singen, ist ihre große Leidenschaft, das erlebten rund 150 Konzertbesucher hautnah mit. "Ich brenne auf neue Abenteuer im musikalischen Sinne" sagte die Sängerin. "Was hinter mir liegt ist Vergangenheit und damit für mich abgehakt, ohne dass ich irgend etwas bereue."
Der Abend wurde von der Big Band Grambke musikalisch eröffnet. Diese Band in klassischer Big-Band-Besetzung, fünf Saxophone, fünf Trompeten, vier Posaunen dazu Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug, spannte einen weiten Bogen. Jazz, Swing, Pop bis hin zum Rock. Stücke von Musikgrößen wie Count Basie, Quincy Jones, Frank Sinatra, Billy Joel oder Nathalie Cole wurden geboten.
"Einmal mit Corinna May etwas zu machen, ist für uns schon etwas ganz besonderes", ließ sich Peter Jahn aus Thedinghausen, Bassist der Big Band, entlocken. "Man merkt, dass Corinna May ein echter Profi ist. Nur ein einziger gemeinsamer Übungsabend mit uns reichte aus, um solch ein klasse Konzert auf die Bühne zu bringen".
Als Corinna May die ersten Töne erklingen ließ, ging ein Raunen durch die Scheune. Man schaute sich an. Solch eine imposante Stimme hatten wohl die wenigsten erwartet. Und da wären wir wieder bei der berühmten Schublade.
Zwar sang Corinna May in Thedinghausen ausschließlich englischsprachige Songs, doch zu der Diskussion um mehr deutschsprachige Songs im Radio fiel der Sängerin ein: "Deutsche Texte mit Inhalt werden zunehmend gern gehört."
In Thedinghausen gab es richtig "geile" Melodien, handgemachte Musik, mal balladig, mal etwas fixer. Das Publikum verlangte am Ende laustark eine Zugabe. Zweimal ließ sich die Sängerin erweichen - einmal als weiblicher Frank Sinatra mit "New York, New York" und als es dann zum Schluss noch Acapella gab, waren die Besucher vollends aus dem Häuschen.
Die Big Band Grambke ließ den gelungenen musikalischen Abend dann mit einigen klangstarken Titeln ausklingen.

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