
Auch Rentier Rudolf schaute vorbei
Ritterhude. Besser hätte das Arrangement nicht sein können: Drinnen erklang "Winter Wonderland", draußen präsentierte sich das Wunderland des Winters. Drinnen sang Isabella Rapp "Let it snow!", der Blick nach draußen zeigte, dass ihr Wunsch längst in Erfüllung gegangen war. Die Schauspielerin, Sängerin und Tänzerin aus Hamburg und die Big Bad Grambke sorgten am Sonnabendabend für einen musikalischen Winter- und Weihnachtszauber im Hamme-Forum.
Rund 140 Besucher hatten sich durch Kälte und Schneemassen ins Veranstaltungszentrum gekämpft, um eine "Christmas Night Of Swing" mitzuerleben. Ein Heimspiel für die 1985 gegründete Kapelle in klassischer Besetzung - fünf Saxophone, vier Trompeten, vier Posaunen, dazu Piano, Gitarre, Bass und Schlagzeug, stets begleitet von einem Gastsänger - war sie doch bereits zum vierten Mal zu einem Benefizkonzert an die Hamme gekommen. Will heißen: Die Swing-, Jazz- und Pop-Instrumentalisten des Sportvereins Grambke-Oslebshausen verzichteten einmal mehr auf die komplette Abendgage. Sie floss in die Kassen des Förderkreises der Grundschule und des Schulvereins Ritterhude, der sich als Förderer der weiterführenden Bildungsstätten in der Gemeinde versteht. Organisator Andreas Dieckvoß: "Geld, das wir angesichts leerer öffentlicher Kassen für jegliche Unterrichtsverbesserung natürlich gebrauchen können." Und damit die Kosten für das Weihnachtskonzert möglichst gering ausfielen, packten Eltern und Schülern mit an. Zum Beispiel beim Karten- und Getränkeverkauf.
Songs gehen unter die Haut
Die Besucher aber sollten vor allem musikalisch auf ihre Kosten kommen. Weil die Grambker ihre Stücke unter der Leitung von Wolfgang Paltinat mit Lust und Verve spielen. Songs, die unter die Haut gehen, wie Isabell Rapp mit dem Lied "I´ve got you under my skin" verdeutlichte, das Cole Porter 1936 komponierte und das Frank Sinatra zum Klassiker machte. Die 42-jährige Sängerin, Schauspielerin und Tänzerin aus Hamburg, die in den Stadttheatern von Bremen und Bremerhaven zuhause und häufig mit dem Bremer Salonorchester unterwegs ist, musste sich im Hamme-Forum mit ihren Stimmbändern gegen eine gewaltige orchestrale Übermacht behaupten. Was ihr hervorragend gelang und von den Besuchern immer wieder mit großem Applaus belohnt wurde. Was andererseits aber nicht bedeutete, dass die Grambker Band nach nunmehr weit über 100 Konzerten in 25 Jahren ein bisschen leiser geworden ist. Im Gegenteil: Sie agiert kompakt und druckvoll wie eh und je. Und sie liebt den Swing, ist allerdings "more than swing", wie die Frauen und Männer um Wolfgang Paltinat bekräftigen. Dass man zum Beispiel mit den tiefen und harten Klängen der bereits 1450 in Burgund erfundenen Posaune "Es kommt ein Schiff geladen" einfühlsam intonieren kann, bewies das "Trombone"-Quartett der Grambker.
Swing lässt natürlich die Füße nicht ruhen, was wippende Schuhe unter den Tischen auch im Hamme-Forum demonstrierten. Eine "Christmas Night" erlebten die Besucher aber vor allem nach der Pause. "Jingle Bells", "O Christmas Tree" und "Christmas Time is here" sorgten für emotionale Nähe zum bevorstehenden Weihnachtsfest. Da durfte Rudolph, das rotnasige Rentier (Rudolph the Red-Nosed Reindeer) natürlich nicht fehlen, ein Ohrwurm von Gene Autry, von dem schon 1949 eine Million Schallplatten verkauft wurden. In deutschen Wohnstuben fast ebenso bekannt wie in den USA ist auch "Have yourself a merry little christmas", 1944 von Judy Garland geschrieben und ebenfalls von Frank Sinatra zum Welterfolg gemacht. Keine amerikanische Erfindung ist dagegen das weltweit wohl bekannteste Weihnachtslied: Stille Nacht, heilige Nacht. Es war erstmals Heiligabend 1818 von dem Dorfschullehrer und Organisten Franz Xaver Gruber und dem Hilfsprediger Joseph Mohr in der Kirche Oberndorf bei Salzburg gespielt und gesungen worden. Viele US-Bürger hielten es später für ein amerikanisches Volkslied. "Silent Night" von Isabell Rapp und der Big Band Grambke war krönender und zugleich wärmender Abschluss der gut zweistündigen "Christmas Night of Swing". Da konnten sich die 140 Besucher trotz minus acht Grad beschwingt auf den Heimweg machten.
Von Klaus Grunewald