Bremer Anzeiger, 06.10.2003

„Makin' Whoopee“ im Robbie-Williams-Sound
Big Band Grambke „entstaubt“ altes Image – Zweite CD mit starken Vocal-Parts

„I've got you under my skin“, haucht Marion Wendt ins Mikro, während die Rhythmusgruppe treibt und die Bläser für fetten Sound sorgen. Leicht, flockig und beschwingt klingt das Ganze, schön arrangiert und fein abgemischt – soweit zum Vorurteil, Big-Band-Swing sei etwas für Leute von vorgestern. „Wenn das so wäre, dürfte ja auch keiner Robbie Williams mögen“, sagt Wolfgang Paltinat und fügt schmunzelnd hinzu: „Bei den Aufnahmen zu unserer neuen CD haben wir uns übrigens an seinem Sound orientiert.“
Mit Erfolg: „Swing in time“ kann sich nicht nur allemal hören lassen, sondern wird auch dem Titel absolut gerecht. Jazz in zeitgemäßem Gewand – das verspricht die Big Band Grambke auf ihrem zweiten Tonträger, und das hält sie auch. Ob beim von Count Basie legendär gemachten „Moten Swing“, ob beim lasziv verspielen „Makin Whoopee“, beim filmmusik-tauglichen „Groovin Hard“ oder bei der Ballade „September morn'“ – die Big Band zeigt, dass sie (fast) jede Spielform des Jazz beherrscht. Mit einer Ausnahme: Mit „Free“ haben Wolfgang Paltinat und seine Mitstreiter nicht viel am Hut – „zudem gibt's dafür ja auch kaum Big Band Arrangements.“

Dass es die Big Band Grambke (kurz: BBG) überhaupt gibt, liegt im übrigen sehr stark an der Person des 41-jährigen Bandleaders, der schon früh vom Jazz-Virus infiziert wurde. „Am Anfang war das Blech“, sagt der Trompeter, der mit zehn seine Vorliebe für Blechblasinstrumente entdeckte und später – zunächst beim TSV Lesum, dann beim TV Grambke – bestehende Vereinskontakte nutzte, um darin seine Big Band reifen zu lassen. „Natürlich war das auch ein Sicherheitsdenken“, sagt er heute, „im Nachhinein hätte man sich irgendwann auch ganz lösen können, aber die bestehenden Strukturen sind durchaus gut und hilfreich.“
Zumal die Big Band Grambke heute längst aus dem Schattendasein einer kleinen Sparte herausgewachsen ist. Bei der Gründung 1985 „waren wir mehr eine Combo als eine Big Band“, sagt Paltinat, „und mir war klar, dass ein fetterer Sound her musste – und das geht eben nur mit ein paar Leuten mehr.“ Stetig wuchs schon in der Anfangszeit der Anspruch – „wir wollten irgendwann nicht mehr nur im Kämmerlein spielen, sondern auch vor richtig Publikum.“ Gesagt, getan: Im Lauf der Jahre wurde vieles professionalisiert – was natürlich auch zahlreiche Wechsel zur Folge hatte. „In den ersten fünf Jahren haben wir alleine zehn Drummer verschlissen“, erinnert sich der Bandleader, der diesen Begriff im übrigen gar nicht so gerne hört – „aber er ist der Boss“, sagt Saxofonist Jens Riddel, „und einer sollte es auch sein.“
Riddel, der wie Paltinat auch viele organisatorische Aufgaben übernimmt, stieß erst vor vier Jahren zur Big Band – zu einem Zeitpunkt also, wo Paltinat und Co. längst den Vokalbereich für sich entdeckt und auch schon eine erste CD produziert hatten. „Die Band war schon ziemlich weit, als ich kam, aber ich würde schon sagen, dass wir auch in der letzten Zeit noch besser geworden sind.“ So würde man sich heute an Arrangements trauen, an die man früher noch nicht einmal gedacht hätte, wie etwa „Quincy and the count.“ Die aktuelle Besetzung besteht derzeit aus 22 Musikern, von denen jeweils siebzehn spielen – fünf Saxofonisten, vier Trompeter, vier Posaunisten, dazu Piano, Gitarre, Bass, Schlagzeug und Sängerin Marion Wendt, die auch dem neuen Tonträger ihren Stempel aufdrückt. Acht der 14 Nummern sind mit Gesang bestückt, das Gesamtrepertoire besteht heute aus rund 300 Songs; „nur 100“, so Paltinat, „sind allerdings in der engeren Wahl.“

Die Akzeptanz jedenfalls nimmt immer weiter zu: so wird die Big Band Grambke im Oktober im Bremer Schlachthof und in der Worpsweder Music Hall auftreten, an Locations also, die mit Betulichkeit so wenig zu tun haben wie Charlie Parker mit Schlager. Und auch der im Tonstudio Palais aux Etoiles eingespielte Tonträger hat mit seinem komplexen Sound großen Anteil daran, dass die Anerkennung für die Big Band Grambke steigt. Bleibt – als letzter Rest des Stigmas „Betulichkeit“ – noch der Name. Big Band Grambke oder BBG – ist das nicht wenig innovativ? „Naja, sexy ist der Name nicht“, sagt Wolfgang Paltinat, „aber zweckmäßig.“ Und wie wär's etwa mit „Big Wolle und den swingenden Bläsern?“ „Ach nein“, lacht Paltinat, „da bin ich zu sehr Traditionalist –und außerdem steh ich nicht so gern im Vordergrund.“

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